Die Horster Jahrmärkte

In der ostfriesischen Fürstenzeit wurden die Jahrmärkte des Amtsbezirks noch in Friedeburg abgehalten. Derartige Veranstaltungen waren auch damals schon wahre Volksfeste. Eine besondere Bedeutung hatten aber die gleichzeitig stattfindenden Viehmärkte, die sich, wie es erklärlich erscheint, eines besonderen Interesses der Landwirte der weiteren Umgebung, sowie des Viehhandels erfreuten.
Nun konnte man in jener Zeit keine Viehtransporte mit Lastzügen durchführen. Große Viehkoppeln wurden weit über Land von Markt zu Markt getrieben. Marktorte mussten daher über ausreichende Weiden und Stallungen verfügen, weil das zum Verkauf kommende Vieh bereits am Tage vor Marktbeginn eintraf. Über diese Voraussetzungen scheint man in Friedeburg nicht verfügt zu haben, so dass die dortige Amtsverwaltung bereits 1782 eine Verlegung der Friedeburger Märkte nach Horsten vorschlug. Der Besuch der Veranstaltungen in Friedeburg hatte nämliche auch wegen fehlender Unterbringungsmöglichkeiten bereits erheblich nachgelassen.
Im Jahre 1783 war die Verlegung der Märkte – es handelte sich um je einen Frühjahrs- und Herbstmarkt – bereits zur Tatsache geworden. Horsten lag für das Jeverland und das benachbarte Oldenburg zweifellos verkehrsmäßig recht günstig. Weiden standen in nächster Nähe genügend zur Verfügung. Die neuen Märkte zu Horsten müssen dann auch in der Folgezeit den gehegten Erwartungen entsprochen haben.
In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts suchte dann die Gemeinde Friedeburg den Fehler der Altvorderen zu berichtigen und eine Rückverlegung der Märkte zum Amtssitz zu erreichen. Weder in Aurich noch in Hannover hat die Gemeinde mit ihren Anträgen Erfolg gehabt.
Ein Antrag des Horster Ortsvorstehers aus dem Jahre 1863 leuchtet noch einmal in die damalige Welt des Horster Marktlebens hinein. Mit Rücksicht auf den Dienstbotenwechsel am 2. Mai wurde die Verlegung des Horster Marktes vom 5.5. auf den 4.5. gefordert. Dadurch konnte dem landwirtschaftlichen Personal eher Gelegenheit zum Besuch des Frühjahrsmarktes gegeben werden. Knechte und Mägde traten nach altem Herkommen ihren neuen Dienst erst am Tage nach dem Horster Markt an.
Für den Auftrieb von Vieh waren Marktgebühren zu entrichten, beispielsweise 1889 für jedes Stück Großvieh 30 Pfg., für Pferde ebenfalls 30 Pfg., sowie für ein Füllen 20 Pfg. Das Standgeld für Verkaufstische, Buden und Karussells bewegte sich zwischen ½  bis 3 Mark.

Der Horster Herbstmarkt wurde 1895 aufgehoben. Bestehen blieb dann nur der Frühjahrsmarkt, der um 1965 auch eingestellt wurde.
Zum Besuch der Horster Märkte wurde schon in alten Kalendern geworben.
Im „Oldenburgischen Kalender auf das Jahr Christi 1791“ finden wir folgenden Hinweis:

„Horsten in Ostfriesland, amts Friedeburg, hält zwey Pferde-,
Vieh-, Flachs- und Kramermärkte:
1. Den 3ten May, 2. Den 10ten October“.

Die Flachsmärkte dienten dem Absatz der auch in Horsten durch starken Anbau erzeugten großen Mengen Flachs und des daraus hergestellten Garns. Mit dem Niedergang dieses landwirtschaftlichen Betriebszweiges verloren die Flachsmärkte ihre Bedeutung.

Text: Ernst Jordan